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BESONDERHEITEN DER JAHRESZEITEN

Von Andreas

Die Besonderheiten der Jahreszeiten und ein Rezept mit Brennnessel

In Indien und Sri Lanka gilt der Beginn des Monsuns als eine Zeit, in welcher der kühlende, herab kommende Fluss der kosmischen Energie seine Wirkungskraft entfaltet. Dieser Wandel, der sich nun in der Natur vollzieht,  ist ganz besonders gekennzeichnet durch Regen und durch ein Strömen und Fließen in den Bächen und Flüssen, sowie durch ein rasches, üppiges Wachstum der Pflanzen und allgemein durch Fruchtbarkeit. Im Gegensatz dazu steht der erhitzende und aufsteigende Fluss der kosmischen Energie, der im Sommer seinen  Höhepunkt fand und nun mit Einsetzen der Regenzeit zu einem Ende gelangt. Die heiße Jahreszeit, in der die aufsteigenden Kräfte dominierten, brachte für alle Lebewesen Auszehrung und einen Verlust ihrer vitalen Kräfte. Diese werden ihnen jetzt, mit dem Herabkommen des kühlenden Stroms der Energie, zurückgegeben. Es kommen nun vermehrt bindende Kräfte auf, die einen Zusammenhalt der Teilchen gewähren und zu Aufbau und Wachstum in der Natur und im Körper führen. Abkühlung beschreibt die konvergierende Seite dieses kosmischen Kräftewirkens in der Natur, während Erwärmung die divergierende Seite darstellt. So bringt der Monsun physisches Wachstum, Fruchtbarkeit, erholsamen Schlaf, tiefe Gedanken und sanftmütige Gefühle mit sich und wirkt sich günstig auf das Lernen und die Konzentration aus. Die erhitzende Seite, die im Sommer vorherrscht, geht mit den gegenteiligen Eigenschaften einher und bringt Ermüdung, Auszehrung und eine Schwächung der Integrität des physischen Körpers.

    In Europa ist es der Wechsel der Jahreszeiten vom Winter in den Frühling, der die größten Veränderungen mit sich bringt. Es setzt das Schmelzen von Eis und Schnee ein und führt zu einem Anstieg des Wassers in den Flüssen und manchmal auch zu Überflutungen. Bald darauf erwachen die Pflanzen zu neuem Wachstum und bringen frische grüne Blätter und ein Meer von Blüten hervor. Man kann regelrecht beobachten, wie dieser Wechsel jede einzelne Zelle des Körpers und auch das Bewusstsein erreicht und welche Veränderungen er nicht nur in der äußeren Natur, sondern auch in uns selbst hervorruft. Aus der Sicht des Ayurveda ziehen die Jahreszeiten nicht nur durch die Natur, sondern auch durch den Menschen hindurch. 

    Wenn wir schlafen, gehen der Körper und das Bewusstsein in eine konvergente Phase über. Der Körper wird vollkommen passiv, wie ein Stück Materie, das zur Erde zugehörig ist. Praana, die Lebenskraft, und Ahamkaara, der Ich-Anspruch,  geben ihren Zugriff zum physischen Körper auf. Praana fährt seine Kraft herunter, das Bewusstsein konvergiert nahezu bis zu einem Punkt und die Sinnesorgane ziehen sich von der äußeren Umgebung zurück. Im Winter geschieht das gleiche. Die Pflanzen und Bäume werfen ihre Blätter ab und stellen ihr Wachstum ein und einige Tiere halten ihren Winterschlaf. Das Sich-Zusammenrollen der Tiere während des Winterschlafs und des Menschen während des Schlafes oder ganz besonders während Krankheiten und im Mutterleib, sind Ausdruck für diese Konvergenz. So wie mit dem Aufwachen am Morgen, so setzt auch mit Beginn des Frühlings die divergente Phase ein. Die Lebenskräfte, die während des Winters zurückgehalten wurden, kehren sich nun um und führen zu diesem plötzlich hervorbrechende Wachsen und Blühen. Auch wenn wir Menschen keinen Winterschlaf halten, so ruft dieser Übergang dennoch auch in uns bestimmte Veränderungen wach.

Heuschnupfen, Allergien, Erkältungen und Grippe beispielsweise, werden durch eine Ansammlung von Kapha während des Winters, das nun im Frühjahr zu einem Ausbruch kommt, verursacht. Kalte und trockene Eigenschaften, wie sie im Winter vorherrschen, führen zu einer Stärkung und Ansammlung von Kapha, vergleichbar mit der Anhäufung von Eis- und Schneemassen im Winter. Wenn mit dem Einsetzen des Frühlings mehr die öligen (snigdham) und heißen (ushnam) Qualitäten an Stärke gewinnen und in der Natur Eis und Schnee zu schmelzen beginnen, so wird auch das im Körper angesammelte Kapha entfesselt und verursacht plötzliche Erkrankungen. Und so wie zu große Wassermengen, die zu Überflutungen führen, möglichst schnell und einfach zum Abfließen gebracht werden müssen, so sind nun für diese Art von körperlichen Konditionen, reinigende und ausleitende Behandlungen (Sodhana) angezeigt, um das überschüssige Kapha im Körper loszuwerden.

    Während des Winters können sich vielerlei Gifte im Körper festsetzen, ohne dabei irgendwelche Krankheitssymptome hervorzurufen. Grund dafür ist die bedeckende oder einhüllende Eigenschaft von Kapha. Wenn Kapha  verflüssigt wird, so werden auch diese Gifte im Körper freigesetzt, kommen in Bewegung und führen zu allerlei Krankheiten. Aufgrund der einhüllenden Eigenschaft von Kapha, ist eine Reinigungskur während des Winters ungünstig, im Frühjahr dagegen günstig, da sich, wie schon gesagt, das Kapha in dieser Zeit löst und damit eine Ausleitung der Toxine ermöglicht.

Ayurveda bestimmt die Doshas und alle Materialien in der Natur, besonders die Nahrungs- und Heilmittel, nach deren Qualitäten, oder Gunas. Die Gunas werden immer als duale Paare dargestellt. Philosophisch betrachtet, können wir ganz einfach sagen, dass der neutrale Zustand, der in Brahmam, dem Absoluten und Ursprung aller Dinge vorherrscht, sich in ein Guna-Paar polarisiert, so wie sich die Null in eine Plus-Eins und in eine Minus-Eins polarisiert. Gemäß dieser Anschauung besitzen alle Eigenschaften, die wir im Universum vorfinden, ganz gewiss irgendwo eine gegenteilige Entsprechung. Daher erklärt es sich, dass da wo eine Krankheit in Erscheinung tritt, in der Regel auch die entsprechenden Kräuter mit den genau entgegengesetzten Gunas zu finden sind und sich vermehrt ausbreiten. So besitzen auch die Pflanzen, die zu einer bestimmten Jahreszeit wachsen, eine Beziehung zu den in dieser Zeit auftretenden Krankheiten. In früheren Zeiten wusste man noch in allen Ländern und Kulturen um diese Zusammenhänge. Dieses Wissen findet sich teilweise noch heute in der Volksmedizin und den indigenen Medizinsystemen wieder und wird von diesen in die Praxis umgesetzt.

Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet, können wir den Versuch wagen, ein hiesiges Heilkraut, wie die Brennnessel, deren Heilwirkungen hierzulande wohl bekannt sind, gemäß den ayurvedischen Prinzipien zu charakterisieren. Die Brennnessel erscheint als eine Pflanze, die sehr stark Vaatha- und Kapha-reduzierend wirkt. Die im Frühjahr auftretenden Krankheiten, haben ihren Ursprung meist in einer Verflüssigung von Kapha, was sich wiederum auf den dynamischen Fluss der verschiedenen Systeme auswirkt und damit auch auf Vaatha. Die Krankheiten des Atmungssystems, die in dieser Saison auftreten, sind meist auf eine Störung von Vaatha und Kapha zurückzuführen. Dies trifft auch auf bestehende Hautkrankheiten zu, die sich in dieser Zeit verschlechtern, wie z. B. Psoriasis, Ekzeme, allergische Dermatitis, Neurodermitis und Schuppen. Der Ausgleich von Kapha und Vatha ist indirekt auch mit einer Normalisierung von Pitha verbunden. Parallel dazu steht die blutreinigende und revitalisierende Wirkung der Brennnessel auf Haut und Haare, ihre Fähigkeit, Haarausfall zu verringern und förderlich auf die Verdauung und Ausscheidung zu wirken. 

Das Trinken von Brennnessel-Tee ist eine allgemein übliche Anwendung, der Verzehr der gekochten Blätter, scheint jedoch ein noch besseres Ergebnis zu bringen. Dank ihres feinen Aromas, kann die Brennnessel zu einem schmackhaften Gericht zubereitet werden. Das folgende Rezept enthält Zutaten, durch die die Brennnessel mit zusätzlichen Qualitäten angereichert und dazu noch geschmacklich verfeinert wird.

Rezept Brennesselgericht:

Zutaten für 1 – 2 Personen:

Ca. 100 Gramm frisch gesammelte und gewaschene Brennnesseln 

(gesammelt werden die oberen Pflanzenteile, etwa bis zur dritten Blattreihe)

1 kleine Zwiebel klein schneiden 

1 - 2 Knoblauchzehen, kleingehackt (besänftigt Vaatha und öffnet die Kanäle)

1 Teelöffel Bockshornkleesamen, ganz (besänftigt Kapha und Vaatha)

etwas geriebene Muskatnuss (besänftigt Kapha)

Pfeffer (besänftigt Kapha und Vaatha und öffnet die Kanäle)

ca. 3 Esslöffel Kokosnussmilch 

Sonnenblumenöl zum Andünsten (wirkt verhältnismäßig wenig Kapha-anregend)

ca. ¼ Teelöffel Fenchelsamen, im Mörser zerrieben (besänftigt Kapha und Vaatha)

 ½ Teelöffel Curcuma, gemahlen (antitoxisch)

1 mittelgroße Tomate in Scheiben geschnitten

Salz

Zubereitung:

Das Öl in einem Topf oder einer Pfanne erhitzen und die kleingeschnittene Zwiebel anbraten. Wenn sie anfangen, braun zu werden, den Knoblauch und die Bockshornkleesamen hinzufügen und mitrösten. Danach die übrigen Gewürze unterrühren und die Brennnesselblätter. Alles unter Rühren weiter rösten.  die Tomatenscheiben dazugeben und alles zusammen noch ca. fünf Minuten weitergaren. Kurz vor Ende der Garzeit Salz und Kokosnussmilch unterrühren. Das Gericht schmeckt am besten mit Reis oder Nudeln.

Die Mengen und Zutaten können je nach Geschmack variieren. Ein geschmacklich gelungenes Gericht ist das Ergebnis einer harmonischen Abstimmung der Zutaten und ein Beweis für deren Übereinstimmung mit den Bedürfnissen von Körper, Seele und Geist.

Brennnesseln können bis in den Sommer hinein geerntet werden und auch mit Giersch, Spinat oder Mangold gemischt werden.

Abschließende Bemerkung:

Es ist zu beachten, dass jede Krankheit verschiedene Variationen besitzt, je nachdem, welches Dosha beteiligt ist. Die oben erwähnten Krankheiten, die allgemein von einer Kapha-Vaatha-Störung herrühren, treten auch in anderen Formen und Stadien auf, in denen jeweils andere Doshas betroffen sind. Auch viele andere Krankheiten, denen Vaatha und Kapha als Unter-Dosha zugeordnet sind, sowie Menschen die diese Grundkonstitution besitzen, erhalten ebenfalls ein positives Ergebnis durch die Brennnessel. Wenn die gegenwärtig vorherrschende Dosha-Kondition richtig diagnostiziert, das passende Heilmittel dazu verschrieben wird und die Ernährung und Lebensweise dementsprechend angepasst wird, so führt dies in der Regel zu einer Besserung aller Probleme, die hiermit in Verbindung stehen.